Frappant e.V.

Unser Erbe

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Der massive Backsteinbau mit seinen beiden Türmen wirkt wie eine Burg- oder Festungsanlage. Er erhebt sich hinter dem Allee-Sportplatz in Altona-Nord und ist eigentlich nur der Rest der „Victoria-Kaserne“. Ursprünglich bestand die Kaserne aus drei Blöcken, einem Offizierskasino, einer Reit- und Exerzierhalle, Garagen, sowie der Garnison -Wasch -und Arrestanstalt – alles rechteckig um einen Exerzierplatz angelegt. Von 1878-83 während der wilheminischen Epoche wurde die Victoria-Kaserne errichtet. 1977 wurde ein Großteil der Kaserne abgerissen. Nur der Block 3, in dem heute die Frappant-Künstler Obdach gefunden haben, und einige Nebengebäude sind erhalten geblieben.

Die einstige Reithalle und das Exerziergebäude (beide an der Haubachstraße gelegen) werden seit langem als Sporthallen für den „SV Polizei Hamburg von 1920“ und das Gymnasium Allee, Max-Brauer-Allee, genutzt. Auch Teile der Universität Hamburg, das Eichamt Altona und eine Zolltechnische Lehr- und Prüfanstalt waren in der Kaserne untergebracht. Während der großen Flut im Februar 1962 wurden hier über 300 Opfer zur Identifizierung aufgebahrt. Die Victoria-.Kaserne wurde sehr unterschiedlich genutzt:

1881 – 1919  Als Kaserne für das „Königlich preußische Infanterie-Regiment Graf Bose Nr. 31“. 1919 – 1977 Als  Polizeiunterkunft Altona (von 1919 -37 zugleich mit Polizeipräsidium Altona-Wandsbek)  nach 1945 als Polizeischule und Bekleidungskammer der Polizei Hamburg. Von 1945 bis 1977 war sie das  „Soziallager Eggerstedtstraße“ und beherbergte zeitweise 2.500 Flüchtlinge, Aussiedler, Obdachlose. 1962 während der Flut in Hamburg wurden hier 300 Flutopfer zur Identifizierung aufgebahrt. Auch die offiziellen Bezeichnungen des Gebäudekomplexes wechselten je nach Nutzung: „Neues Kasernement“, „Frühere Infanteriekaserne“, „Polizeiunterkunft Altona“ bzw. „Soziallager Eggerstedtstraße“. Bei den Altonaern hieß der Komplex inoffiziell schon immer Victoria-Kaserne, nach der am Kasernen-Haupteingang gelegenen Victoriastraße. Sie hatte ihren Namen aufgrund des siegreichen Ausgangs des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erhalten und wurde 1951 umbenannt in Eggerstedtstraße. Dieser übrig gebliebene Block 3 mit seinem Rundbogenstil und den Doppeltürmen ist ein typischer Vertreter des preußischen Kasernenstils der Wilhelminischen Epoche. Daher läuft seit Januar 2010  ein Antrag des Denkmalschutzamtes, die noch vorhandenen Teile der einstigen Kaserne als schutzwürdiges Denkmal anzuerkennen und zu erhalten.

Frappant e.V. bedankt sich herzlich für die informative Mitarbeit von dem Historiker H.-G. Schmidt