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Frankie Gao – „Planetes“

Frankie Gao - Planetes

Frankie Gao
Planetes
Zeichnungen
Kuratiert von Lavinia Rosen

Frankie Gao ist eine international tätige, bildende Künstlerin, die sich auf Zeichnungen spezialisiert hat. Ihre Werke sind inspiriert und komponiert rund um die Themen der Astronomie, der Forschung, sowie der Natur und Philosophie. Der Ausstellungsname „Planetes“ entstammt der griechischen Sprache und bedeutet „Wanderer“ oder „Reisender“.

Eröffnung: Freitag, 27. Juli 2018 um 18 Uhr
Ausstellung vom 28. Juli – 5. August 2018
Öffnungszeiten: Samstags und Sonntags von 14-19 Uhr

frankiegaovisual.com

Planetes – Frankie Gao
von Lavinia Rosen

Was Sie sehen, ist die schlichte Schönheit der Natur: Nur Ozean und Himmel, soweit das Auge reicht. Der Blick findet Halt an der zarten Linie des Horizonts in dem Wissen, dass die Unendlichkeit dahinter weitergeht.

Beim Betrachten der Bleistift- und Kohlezeichnung der Chinesischen Künstlerin Frankie Gao wird man automatisch ruhig, zum einen aus Ehrfurcht vor ihrem immensen Können Eisberge, Gebirgsketten sowie Meere in authentischer Weise darzustellen, zum anderen aufgrund der kontemplativen Monotonie der bezeichneten Ausblicke in unendliche Weiten. Dabei spielt insbesondere der Blick in den Himmel eine zentrale Rolle in Gaos Kunstwerken. Getrieben von unstillbaren Wissensdurst, beschäftigt sich die Künstlerin mit den Disziplinen Science Fiction, Astronomie und Quantenphysik. Planeten, Sternenbilder und Konstellationen finden Eingang in ihren Bildern. Ob weiße Punkte im schwarzen Nachthimmel oder runde Kreise zum Greifen nah, so klar wie in ihren Zeichnungen sieht man vor lauter Lichtimmission in unseren urbanen Breiten die Sterne selten. Beim Blick in den Sternenhimmel vergegenwärtigt sich die Grenzenlosigkeit des Universums und existentielle Fragen zum Menschlichen Dasein werden geweckt. Gao ist getrieben von Fragen nach dem Ursprung der Menschheit: Was und wer sind wir? Was bedeutet es Mensch zu sein in diesem Universum? Warum sind wir hier?

An aller Anfang stand der Urknall als Beginn des Universums, die Entstehung von Materie, Raum und Zeit aus einer ursprünglichen Singularität, als die Materie- und Energiedichte unendlich war. Im Verhältnis zum Alter des Universums ist die Dauer eines Menschenlebens kürzer als ein Wimpernschlag. Wir Menschen sind nur Staub im Vergleich zur unfassbaren Unendlichkeit des Universums und so hat das Weltall wenig mit irdischen Angelegenheiten und unseren täglichen Anstrengungen zu tun. Diese Vergegenwärtigung unserer Bedeutsamkeit inspiriert Gao dazu, materielle Aspekte des täglichen Lebens zu vergessen und sich ihre eigene Welt zu bauen. Die Entstehung einer jeden Zeichnung ist wie ein Urknall, denn aus der Unendlichkeit der Möglichkeiten beginnt eine jedes Bild mit einem einzigen Strich.

Planeten tauchen immer wieder in den schwarz-weißen Landschaftsbildern von Gao auf. Der Begriff „Planet“ geht auf das altgriechische Wort „planetes“ für „die Umherschweifenden“ zurück, denn am irdischen Firmament ist deutlich sichtbar, dass Planeten sich bewegen. Die Planeten sind Wanderer am Himmelszelt. Auch Frankie Gao ist eine Wanderin, zum einen zwischen den Welten ihrer Herkunft in China und ihrem Leben in Europa, also auch zwischen den Welten der Wissenschaft und der Freiheit der Kunst, zwischen Gedanken über die menschliche Existenz und den unbegreiflichen Kosmos.

Beim Wandern geht es nicht darum ein Ziel zu erreichen, sondern um den Weg – Schritt für Schritt – sich zu erobern. Ähnlich verhält es sich mit den rudimentären Fragen nach dem Wesen des Menschen, nach seinem Ursprung, dem Sinn seines Daseins und die Zukunft seiner Zivilisation, die nicht zu beantworten sind. Am Ende dieser existentiellen Fragen stehen keine Antworten, können keine eindeutig allgemein gültigen Antworten stehen. Doch die Suche nach Erkenntnis, das unnachgiebige Streben nach Wissen, sind wie das Wandern, sind schon Teil der Erkenntnis und unablässiger Antrieb für die Kunst von Frankie Gao und ihre ganz eigene Weltformel zwischen Relativitätstheorie und Quantenphysik.

[Gefördert von der Kulturbehörde Hamburg]